Die Folge auf einen Blick
- Thema: Motivation im Hobby – was hilft, wenn die Lust am Malen weg ist
- Gast: Max aus dem Schwarzwald, auf Instagram als @blackforest_miniatures
- Host: Tamino von Display Miniatures aus Hannover
- Situation: Malen neben Vollzeitjob und kleinem Kind, meist zwei Stunden abends
- Der meistgenannte Tipp: Bei Unlust den Maltisch komplett aufräumen – danach sieht die Miniatur wieder interessant aus
- Länge: rund 88 Minuten
- Zu hören: Display Miniatures Talk #13 auf Spotify, Apple Podcasts und YouTube
Wenn die Miniatur im Karton liegen bleibt
Max wollte bei Moonstone May mitmachen. Mitten in der Malsession blätterte die Farbe ab. Nach dem Bad in Isopropanol brach beim Entlacken der Arm mit der Waffe. Die Figur liegt bis heute unangerührt im Karton – und danach hat er wochenlang gar nicht mehr gemalt.
„Komplett leer irgendwie. Ich hatte keine Motivation, mich wieder an meinen Tisch zu hocken und zu malen.“Max, @blackforest_miniatures
Genau darum geht es in dieser Folge: nicht um Technik, sondern um die Frage, wie man dranbleibt, wenn das Hobby neben Job und Familie läuft und gerade nichts klappt.
[YOUTUBE-EMBED]Was hilft, wenn man keine Lust mehr zum Malen hat?
Der konkreteste Tipp der Folge klingt banal und funktioniert bei beiden: den Maltisch komplett aufräumen. Farben wegstellen, Nasspalette neu befüllen, Pinsel reinigen. Danach sieht die angefangene Miniatur plötzlich wieder anders aus.
Max beschreibt es so, dass die Mini nach dem Aufräumen wieder interessant wirkte und dann auch ruckzuck fertig war. Der Wiedereinstieg nach seiner langen Pause lief ähnlich: aufräumen, irgendeine Figur nehmen, die ihm gefiel, zusammenbauen, grundieren – und ohne Plan und ohne Referenzvideo einfach anfangen. Danach war die Motivation zurück.
Ab 34:26 und ab 41:27 in der Folge
Wie male ich regelmäßig, wenn ich Job und Kind habe?
Max malt drei- bis viermal die Woche abends, wenn die Kleine im Bett ist. Entscheidend ist für ihn ein fester Platz: Der Maltisch bleibt stehen. Müsste er jedes Mal alles auf- und abbauen, würde er nach eigener Aussage deutlich weniger malen.
Dazu kommt ein Trick von Tamino, der die Hürde noch weiter senkt: sich bewusst nur ein kleines Stück vornehmen.
„Ich male jetzt nur die linke Hand und dann lege ich meinen Pinsel nieder und habe trotzdem was gemacht. Dadurch hast du einen viel leichteren Einstieg das nächste Mal, weil du es ja gestern erst gemacht hast.“Tamino, Display Miniatures
Ab 43:05 in der Folge
Sind Pausen im Hobby schlimm?
Nein. Max hat dieses Jahr bewusst keine Miniatur mit in den Urlaub genommen, um die Batterien aufzuladen. Tamino macht es genau andersherum und nimmt die Nasspalette mit nach Dänemark. Beides funktioniert – schlecht ist nur, sich für die Pause schlecht zu fühlen.
Ab 44:55 in der Folge
Helfen Deadlines und Wettbewerbe gegen Aufschieberei?
Bei den beiden eher nicht. Tamino sagt klar, dass Deadlines ihn nicht motivieren. Max plant für nächstes Jahr einen Golden Demon, aber ausdrücklich „just for fun“ – und er will im Januar anfangen statt im September, damit gar kein Termindruck entsteht.
„Wenn du dir Druck machst, irgendwie eine Mini zu bemalen, dann kann das eigentlich nur nach hinten losgehen, weil Druck ist definitiv die falsche Herangehensweise ans Hobby.“Max, @blackforest_miniatures
Wer trotzdem den Reiz einer engen Frist mag: Wie sich das anfühlt, steht im Beitrag zur Dogma48-Challenge mit Corinna.
Ab 72:24 und ab 78:32 in der Folge
Demotiviert Instagram beim Miniaturenmalen?
Beides, sagt Max. Zur Inspiration schaut er gezielt auf Instagram und Putty&Paint, wenn er ein Farbschema sucht. Der ständige Vergleich mit Profis zieht aber runter – und der ist unfair.
„Wenn du dir so Minis anguckst von den Profimalern: Die hocken an der Mini jeden Tag vermutlich sechs, sieben Stunden. Und du kriegst es in deinen zwei Stunden abends selbstverständlich nicht so hin wie die.“Max, @blackforest_miniatures
Sein praktischer Schutz davor: Das Handy bleibt beim Malen außerhalb des Raums.
Ab 75:46 in der Folge
Muss ich meine Spielarmee in Vitrinenqualität bemalen?
Nein, und genau das nimmt viel Druck raus. Für eine Armee senken beide bewusst den Standard: Inks, Airbrush, Metallics, ein guter Wash und ein Drybrush-Highlight reichen. Auf dem Spieltisch wird die Figur aus ein bis zwei Metern Entfernung betrachtet, nicht durch die Lupe.
Ab 49:49 in der Folge
Was tun gegen den Pile of Shame?
Max setzt sich Jahresziele statt Wochenpläne, dieses Jahr vier große Dioramen plus Kleinkram drumherum. Der ungemalte Stapel wird damit vom Vorwurf zur Auswahl.
Ab 53:41 in der Folge
Wo bekomme ich günstige Miniaturen zum Üben?
Nicht alles muss neu vom großen Hersteller kommen. Genannt werden Kleinanzeigen, Etsy und der Shop Druckado aus Baden-Württemberg, wo Figuren ab etwa 6 bis 9 Euro und Büsten um 15 Euro zu haben sind. Für eine Übungsfigur, an der man eine neue Technik ausprobiert, ist das die entspanntere Wahl.
Ab 54:41 in der Folge
Wie mache ich Wasser in einem Diorama?
Max nutzt Zwei-Komponenten-Epoxidharz von AK Interactive. Für kleine Flächen wie einen Bachlauf ist UV-Harz deutlich unkomplizierter, das hat er in einem Basing-Workshop gelernt. Gegen auslaufendes Harz gibt es einen Trick aus der Praxis: die Plastikverpackung von Grasbüscheln zuschneiden und mit Tesafilm stramm um die Base spannen.
Wie man Bases sonst günstig aufbaut, steht ausführlich im Basing-Guide mit Helbrecht_Brushworks.
Ab 4:25 in der Folge
Bringen Workshops etwas für die Motivation?
Max hat einen Einsteiger-Workshop zu Layering, Washes und Glazing besucht, dazu einen Basing-Workshop, und für Dezember hat er einen NMM-Workshop gebucht. Der Effekt ist nicht nur die Technik: Nach so einem Tag will man sofort wieder an den Tisch.
Wenn du das im Raum Hannover ausprobieren willst, findest du hier Workshops und Einzel-Coaching.
Ab 7:24 und ab 10:35 in der Folge
Was, wenn mir beim Malen die Geduld ausgeht?
Max‘ persönliche Grenze sind Augen: erst die helle Grundfarbe, dann der schwarze Punkt, der nicht schielen darf. Wenn es nach mehreren Versuchen nicht klappt, legt er den Pinsel weg und macht am nächsten Tag weiter. Das ist die unspektakuläre, aber ehrliche Antwort: aufhören, bevor man etwas kaputt macht.
Ab 18:56 in der Folge
Der Satz, der aus der Folge hängen bleibt
„Dein eigenes Ding machen, keine Anleitung, gar nichts. Einfach nur malen, und am Ende kommt was Geiles dabei raus. Scheißegal, welches Level man ist, am Ende ist es immer geil.“Max, @blackforest_miniatures
Die ganze Folge hören
Das komplette Gespräch gibt es im Display Miniatures Talk als Folge #13, auf Spotify, Apple Podcasts und YouTube. Max findest du auf Instagram unter @blackforest_miniatures.
Häufige Fragen zur Motivation beim Miniaturenmalen
Was hilft, wenn man keine Lust mehr zum Malen hat?
Räum den Maltisch komplett auf: Farben wegstellen, Nasspalette neu befüllen, Pinsel reinigen. Danach wirkt die angefangene Miniatur oft wieder interessant. Wenn gar nichts geht, nimm eine beliebige neue Figur und male ohne Plan und ohne Referenzvideo drauflos.
Wie male ich regelmäßig neben Job und Familie?
Lass den Maltisch stehen, damit du nicht jedes Mal aufbauen musst, und nimm dir kleine Portionen vor – nur eine Hand, nur den Umhang. Wer gestern gemalt hat, setzt sich heute leichter wieder hin. Zwei Stunden abends reichen völlig.
Sind Pausen beim Miniaturenmalen schlimm?
Nein. Eine bewusste Pause, etwa im Urlaub, lädt die Batterien wieder auf. Problematisch ist nicht die Pause selbst, sondern das schlechte Gewissen dabei.
Helfen Deadlines gegen das Aufschieben?
Nicht unbedingt. Druck ist beim Hobby meist die falsche Herangehensweise. Wer an einem Wettbewerb teilnehmen will, sollte früh anfangen, damit die Frist gar nicht erst drückt.
Warum demotiviert Instagram viele Maler?
Weil dort vor allem Profis zu sehen sind, die täglich sechs bis sieben Stunden an einer Figur arbeiten. Mit zwei Stunden am Abend ist dieses Ergebnis nicht zu erreichen, und der Vergleich ist damit unfair. Als Ideenquelle für Farbschemata ist Instagram trotzdem nützlich.
Muss ich eine Spielarmee in Vitrinenqualität bemalen?
Nein. Für den Spieltisch reichen Grundfarbe, Airbrush oder Inks, ein guter Wash und ein Drybrush-Highlight. Die Figuren werden aus ein bis zwei Metern betrachtet, nicht aus zwanzig Zentimetern.
Was hilft gegen den Pile of Shame?
Jahresziele statt Wochenpläne. Wer sich für ein Jahr ein paar größere Projekte vornimmt, sieht den ungemalten Stapel als Auswahl statt als Vorwurf.
Wie mache ich Wasser in einem Diorama?
Mit Zwei-Komponenten-Epoxidharz, für kleine Flächen ist UV-Harz einfacher zu handhaben. Damit nichts ausläuft, kann man die Base mit zugeschnittener Plastikverpackung und Tesafilm abdichten.
