Die Folge auf einen Blick
- Thema: 3D-Druck für Miniaturen und Büsten – und wie man sehr große Figuren bemalt
- Gast: Matthias Schwaighofer alias Bastlwastl aus Innsbruck, gelernter Stein- und Holzbildhauer, heute 3D-Druck und Livestreams
- Host: Tamino von Display Miniatures aus Hannover
- Verfahren: FDM statt Resin, aktuell 12 bis 13 Drucker im Einsatz
- Größenordnung: große Figuren brauchen 100 bis 200 Stunden Druckzeit, ein 1:1-Terminator-Exoskelett rund 250 Stunden und etwa 400 Einzelteile
- Kernaussage: Nicht mit dickem Füller über den Druck gehen – lieber Druckeinstellungen verbessern und Layerlinien in dunkle Bereiche legen
- Zu hören: Display Miniatures Talk #12, auf Spotify, Apple Podcasts und YouTube
Warum diese Folge auch für Leute interessant ist, die nie drucken werden
Matthias, den die meisten als Bastlwastl kennen, druckt Büsten, die größer sind als manche Kinder. Sein Tyrannosaurus ist 80 bis 90 Zentimeter hoch. Trotzdem ist diese Folge zur Hälfte keine Drucker-Folge, sondern eine Materialfolge: günstige Grundiersprays, selbst gemischte Washes, Pinsel für wenig Geld, Alternativen zu Green Stuff. Alles Dinge, die auch bei 32 Millimetern funktionieren.
Gelernt hat er das nicht im Hobby. Er ist ausgebildeter Stein- und Holzbildhauer und hat in der Lehre das sogenannte Fassen gelernt, also das Bemalen von Krippen- und Kirchenfiguren, inklusive Polimentvergoldung. Zum 3D-Druck kam er durch seinen Bruder, der ihm sagte, er solle sich sofort einen Drucker besorgen, er werde es lieben.
Lohnt sich ein 3D-Drucker für Miniaturen und Büsten?
Wenn du regelmäßig Figuren zum Bemalen brauchst: ja. Die Einstiegshürde ist niedriger, als die meisten denken. Tamino nennt 300 bis 400 Euro für Geräte mit automatischem Leveling, Bastlwastl sagt, es gehe auch unter 160 Euro. Wichtiger als der Preis sei ohnehin etwas anderes: dass man sich mit dem Slicen beschäftigt, also mit der Software, die aus der Datei die Druckanweisungen macht. Wer nur den Startknopf drückt und hofft, wird nicht glücklich.
Dazu kommt: Ein Drucker ist ein Gerät, das gewartet werden will. Bastlwastl hat aktuell 12 oder 13 Stück, und es ist immer einer dabei, der gerade auf ein Ersatzteil wartet.
FDM oder Resin – was ist besser für Figuren?
Bastlwastl hat mit FDM angefangen, Resin ausprobiert und ist beim Filament geblieben. Der Hauptgrund ist die Größe: Was er baut, geht mit Resin schlicht nicht. Tamino hat für seine Figuren eher Resin genutzt, weil die Oberfläche dort feiner ist und man keine Schichtlinien wegarbeiten muss.
Die ehrliche Antwort aus der Folge lautet: Beides hat seine Berechtigung. Mit FDM bekommt man deutlich bessere Qualität hin, als der Ruf vermuten lässt – wenn man die Einstellungen im Griff hat.
Wie groß kann man mit einem normalen 3D-Drucker drucken?
Der klassische Bauraum bei einem Gerät für 300 bis 400 Euro ist ein Würfel von etwa 25 × 25 × 25 Zentimetern. Alles, was größer werden soll, wird in Teilen gedruckt und danach verklebt, gefüllert und geschliffen. Große Maschinen schaffen einen ganzen Kopf oder Helm am Stück.
Bei Bastlwastls Asterix-und-Obelix-Figur waren es 20 bis 30 Einzelteile. Beim Terminator-Exoskelett im Maßstab 1:1 rund 400 Teile, die anschließend alle geschliffen und verchromt wurden.
„Ich habe zum Beispiel das Exoskelett vom Terminator 1 zu 1 im Maßstab nachgedruckt. Das sind bei den 250 Stunden gewesen.“Bastlwastl
Soll man Büsten hohl oder massiv drucken?
Hohl. Seine ersten Büsten hat er mit vollem Infill gedruckt, das waren 200 bis 300 Gramm Filament pro Stück und entsprechend schwere Klötze. Heute druckt er sie komplett hohl. Das halbiert die Druckzeit und er kann in derselben Zeit doppelt so hoch drucken.
Was sollte ich planen, bevor ich eine Figur drucke?
Bevor die Datei überhaupt in den Slicer wandert, klärt er vier Fragen:
- Wie groß soll das Ding am Ende sein?
- Aus welcher Entfernung wird es betrachtet?
- Steht es drinnen oder draußen?
- Kommt später Technik hinein – bei ihm oft LEDs, Nebelmaschinen oder Ventilatoren?
Erst danach lohnt sich ein Druckplan. Bei 100 bis 200 Stunden Druckzeit ist das keine Kleinigkeit, sondern der Unterschied zwischen einem Projekt und einem teuren Haufen Plastik.
Wie bekomme ich Layerlinien weg, ohne Details zu verlieren?
Hier kommt der wichtigste Tipp der Folge – und er geht gegen das, was viele tun. Nicht mit dicken Füllern, Primern oder Sprays drübergehen. Damit verliert man genau die Details, für die der Drucker stundenlang gearbeitet hat.
„Es bringt nichts, gerade bei detaillierten Figuren mit irgendwelchen Füllern, Primern oder Sprays so dick drüberzugehen, weil du verlierst schlichtweg das, was dir dein Drucker in stundenlanger Kleinarbeit gedruckt hat.“Bastlwastl
Sein Weg ist ein anderer: die Druckeinstellungen so weit verbessern, bis keine Layer mehr zu sehen sind. Und dort, wo doch welche bleiben, wird geplant statt repariert.
„Wenn ich weiß, dass ein Bereich dunkel wird, dann lasse ich dort auch alle Layerlinien verschwinden. Oder Stützstrukturen werden dort eingebaut. Das sieht man nicht, ist eben schwarz. Da kann man schön schummeln, tricksen – oder man kann es perfektionieren.“Bastlwastl
Und was ist mit Resin-Spray?
Er hat es vor Jahren in einem viel geklickten Video getestet: eine Dose aus dem Autolackierer-Bereich, 60 Euro im Einkauf. Es funktioniert, schmiert aber Details zu, und er hat dafür ordentlich Gegenwind bekommen. Dazu kommt: Das Zeug ist sehr giftig und nur mit Maske zu verarbeiten. Seine heutige Empfehlung ist der Verzicht.
Wo bekomme ich kostenlose Druckdateien für Büsten?
Seine ersten Büsten hat er auf Thingiverse gefunden, ursprünglich nur als Maltraining. Tamino bringt MyMiniFactory ins Spiel. Bastlwastl hält sich inzwischen bewusst von weiteren Plattformen fern, weil sein Ordner mit Druckdateien ohnehin überquillt – der Pile of Shame hat im 3D-Druck eine digitale Zwillingsschwester.
Lohnt es sich, Figuren drucken zu lassen statt selbst zu drucken?
Für einzelne Projekte durchaus. Tamino hat drei Körper für sein Giganten-Projekt über einen chinesischen Onlineshop in Resin drucken lassen: rund 6 Euro pro Stück bei 10 bis 15 Zentimetern, insgesamt etwa 30 Euro Warenwert – plus noch einmal rund 30 Euro für Steuer und Versand. Trotzdem deutlich günstiger, als hierzulande drucken zu lassen.
Wird farbiger 3D-Druck das Bemalen ersetzen?
Technisch geht es heute schon. Es gibt Online-Slicer, mit denen ein Drucker vier bis sechs Farben wie ein Tintenstrahldrucker über das Objekt legt. Praktisch ist es langsam und erzeugt viel Ausschuss, weil die Düse bei jedem Farbwechsel gespült werden muss. Bastlwastl gibt der Technik fünf bis sechs Jahre bis zur Reife, in zehn Jahren hält er sie für normal.
Begeistert ist er davon nicht. Er vergleicht es mit Essen aus der Mikrowelle, das man nicht als selbst gekocht bezeichnen würde. Tamino hält dagegen, dass Handgemachtes bleiben, sich aber verändern wird – so wie die Malerei neben der Fotografie weiterbestanden hat.
Wie bemalt man eine 80 Zentimeter große Büste?
Mit anderen Mengen und anderem Werkzeug. Für den Tyrannosaurus rührt er sich literweise eine Grundmischung an: ein hellgrauer Ton, ordentlich mit Wasser verdünnt, in einem großen Topf, eingefärbt mit Grün und Braun aus Citadel-Farben. Er nennt das seine Basissuppe. Die kommt zuerst auf die gesamte Figur, dann wird getrocknet, und erst danach beginnt die Detailarbeit mit Trockenbürsten, Washes und Stempeltechnik – unter anderem mit Frischhaltefolie.
„Das, was du normalerweise mit Pinzetten klein machst, mache ich halt in groß. Und ich gehe schon mit ganz anderen Augen durch den Baumarkt, weil ich mir denke: Das könnte ich als Stempeltechnik verwenden.“Bastlwastl
Nebenbei: Die Büste lag nach dem Kleben, Füllern und Schleifen erst einmal drei Monate unbemalt in der Ecke. Auch das gehört dazu.
Welches Grundierspray ist gut – und gibt es eine günstige Alternative zu Citadel?
Für ihn sind die Citadel-Sprays die besten, also Chaos Black und White Scar. Es gibt aber eine Alternative von denselben Leuten: Die Hersteller haben sich abgespalten und eine eigene Firma namens Color Forge gegründet, mit größeren Dosen und derselben Farbmischung – und etwa 50 Prozent günstiger pro Dose. In Deutschland gibt es die unter anderem im Onlineshop von PK Pro, in Schwarz, Weiß und zwei Grautönen.
Kann ich Grundierspray aus dem Baumarkt nehmen?
Ja, das funktioniert, und er will Baumarktsprays ausdrücklich nicht schlechtreden. Die Hobby-Sprays trocknen allerdings schneller, sind besser pigmentiert und damit ergiebiger. Wichtig ist bei beiden dasselbe: nicht zu viel. Annebeln reicht. Wer die Dose leert, strukturiert sich die Oberfläche kaputt.
Was dagegen nicht funktioniert hat: Abtönfarben aus dem Baumarkt als Miniaturfarbe. Der Versuch an einem Balrog ist kläglich gescheitert.
Wie mische ich mir Washes selbst?
Wer große Flächen bemalt, braucht Washes literweise, und gute Tinte ist teuer. Seine Lösung ist günstige Kindertinte der spanischen Firma Cleopatra, die es im Literpack für rund 9 Euro gibt. Dazu kommen ein Medium und destilliertes Wasser zum Strecken, eingefärbt wird mit ein paar Tropfen Grün oder Rot. Aufgetragen wird das Ganze mit Blumensprühflaschen oder mit eingetauchten Schwämmen. Die Werkstatt sieht danach entsprechend aus.
Welche Pinsel braucht man – und was ist ein Opferpinsel?
Für Miniaturen pflegt er vier, fünf Pinsel von Winsor & Newton. Für große Flächen nimmt er billige Kunsthaarpinsel, 20 Stück für 9,90 Euro, die nach etwa 20 Einsätzen durch sind.
Der Opferpinsel ist ein Holzröhrchen mit aufsteckbaren, sehr günstigen Spitzen. Gedacht ist er für Arbeiten, bei denen der Pinsel sowieso kaputtgeht – etwa wenn er Augen, offene Münder oder Schmuck mit Resin überzieht und unter der UV-Lampe aushärtet. Danach wirft man nur die Spitze weg, nicht den ganzen Pinsel.
Zur Pflege sagt er wenig, aber das Wichtigste: Pinselseife reicht, und Farbe darf nie in den Schaft laufen.
Was ist eine günstige Alternative zu Green Stuff?
Für große Flächen nimmt er Pattex-Reparaturknete aus dem Supermarkt, die bei Aldi oder Lidl an der Kasse liegt, und Autokitt aus dem Baumarkt. Tamino hat Kinderknete von Action ausprobiert, die an der Luft aushärtet, sowie eine Masse von Krautcover bei PK Pro, die ihm allerdings zu weich war – Green Stuff ist fester.
Bei großen Modellen spielt die Körnung keine Rolle, gearbeitet wird mit dem Spachtel statt mit Pinzette und Lupe.
Muss ich Naturmaterialien bemalen?
Ja. Das ist einer der überraschendsten Punkte der Folge und deckt sich mit dem, was auch Helbrecht in der Basing-Folge sagt. In seinem Findet-Nemo-Diorama stecken echte Muscheln. Sie sahen unecht aus, obwohl sie echt waren. Seine Lehre aus der Bildhauerei: Am besten über alles malen und grundieren.
Die Mutterfarbe
Damit alles zusammengehört, mischt er in praktisch jeden Farbton ein wenig Olivgrün. Der Effekt ist derselbe wie in der Natur, wo die Umgebung Farbe auf ein Objekt zurückwirft.
„Ich sehe darin immer eine Grundfarbe, eine Basisfarbe, und die ist bei mir dieses Olivgrün. Egal welchen anderen Farbton ich mische, irgendwo kommt immer noch ein bisschen Grün mit rein. Weil ich der Meinung bin, nur so schaffe ich diese Gesamtverschmolzenheit bei den Farben.“Bastlwastl
Für die Base heißt das ganz praktisch: Zieh mindestens den Wash der Figur auch über die Base, sonst wirken beide wie zwei getrennte Dinge.
Was kostet der Einstieg ins Bemalen?
Beide raten zum Starter-Set einer größeren Marke ab etwa 20 Euro statt zu einzeln zusammengekauften Billigfarben. Im Set sind die Farben aufeinander abgestimmt und meist ist ein Wash dabei. Einzeln wird es schnell teuer, im Laden kosten fünf Farben locker über 30 Euro. Von Bestellungen bei AliExpress rät Bastlwastl ab und empfiehlt europäische Hersteller.
Wenn du lieber mit Anleitung anfangen willst: In Hannover gibt es dafür Workshops und Einzel-Coaching.
Warum malt Bastlwastl überhaupt so groß?
Drei Gründe nennt er selbst. Erstens: „Ich neige zur Übertreibung.“ Zweitens ganz praktisch, er braucht bei großen Modellen keine Brille. Und drittens lässt sich Großes viel besser filmen – für Miniaturen bräuchte man eine Makrolinse und eine sehr ruhige Hand.
Was mit den fertigen Figuren passiert, ist die schönste Randnotiz der Folge: Über 50 Stück im Jahr entstehen in zwei Livestreams pro Woche, und am Jahresende werden sie zugunsten eines Kinderdorfs versteigert. Das Filament kommt von Sponsoren, er steckt Zeit und Farbe hinein.
Die ganze Folge hören
Das komplette Gespräch findest du im Display Miniatures Talk als Folge #12, auf Spotify, Apple Podcasts und YouTube. Bastlwastl findest du auf YouTube unter @Schwaighofer-art, seine Livestreams laufen auf BastlWastl LIVE, und auf Instagram ist er als @_bastlwastl_art unterwegs.
Häufige Fragen zum 3D-Druck von Miniaturen
Was kostet ein 3D-Drucker für Miniaturen?
Geräte mit automatischem Leveling gibt es ab etwa 300 bis 400 Euro, einfachere Drucker auch unter 160 Euro. Wichtiger als der Preis ist, dass man sich mit dem Slicer beschäftigt, also mit der Software, die aus der Datei die Druckanweisungen erzeugt.
FDM oder Resin – was ist besser für Miniaturen und Büsten?
Resin liefert feinere Oberflächen und ist bei kleinen Figuren im Vorteil. FDM erlaubt deutlich größere Drucke und liefert bei guten Einstellungen mehr Qualität, als s
