
Die Folge auf einen Blick
- Thema: Golden Demon, Wettbewerbe und der ‚Eavy-Metal-Stil von Games Workshop
- Gast: Kevin Kotthaus alias The_Lateman, Golden-Demon-Gewinner (Bronze) mit Dark Angels und Ravenwing
- Host: Tamino von Display Miniatures aus Hannover
- Sein Ergebnis: Bronze beim allerersten Golden Demon, mit einem Landspeeder (Talonmaster)
- Der Fund aus der Folge: ‚Eavy Archive von Infernal Brush – dort stehen die Originalrezepte des GW-Studios
- Nächster Termin: Golden Demon auf der SPIEL Essen, 22.–25. Oktober 2026
- Zu hören: Display Miniatures Talk #1 auf Spotify, Apple Podcasts und YouTube
Beim ersten Versuch direkt Bronze
Kevin Kotthaus, in der Szene The_Lateman, ist kein Mensch, der Wettbewerbe abklappert. Er hat jahrelang für sich gemalt, dann einmal etwas eingereicht – und stand am Ende mit einem Golden Demon in der Hand da.
„Das war mein erster Golden Demon. Ich bin einfach mal hin, so: Hallo, ich bin auch da – und direkt abgesahnt.“Kevin Kotthaus, The_Lateman
In dieser Folge geht es um beides: wie so ein Wettbewerb wirklich abläuft, und wie man überhaupt auf das Niveau kommt. Der Weg dorthin führte bei ihm über eine Seite, die kaum jemand kennt.
Woher bekomme ich die Originalrezepte von Games Workshop?
Das ist der praktischste Fund der ganzen Folge. Auf der Rückseite einer Box stehen drei oder vier Farben, mit denen man das Ergebnis der Boxart niemals hinbekommt. Kevin hat jahrelang in alten White-Dwarf-Heften gesucht, bis er auf ‚Eavy Archive stieß.
„’Eavy-Archive.com ist es. Und Infernal Brush. Der hat sieben Jahre bei Games Workshop im Design Studio gearbeitet, ist in Kontakt mit den ganzen Leuten und lädt da die ganzen Originalrezepte hoch.“Kevin Kotthaus, The_Lateman
Sortiert ist das nach Warhammer 40.000, Age of Sigmar, Old World und weiteren Systemen, dazu gibt es eigene Rezepte für Hauttöne und eine Erklärung der Begriffe: Was ist ein Wash, was ein Soft Shade, was ein Chunky Highlight.
„Ich würde mir wünschen, mehr Leute würden davon wissen. Props an Infernal Brush, dass er so etwas macht. Das war damals alles wie geheimes Wissen.“Kevin Kotthaus, The_Lateman
Und nein, es ist kein reiner Abkürzungstrick. Kevin nutzt die Seite bis heute vor jeder neuen Armee, um zu verstehen, wie das Studio vorgeht.
Warum stimmen die Farbangaben auf der Box nicht mit der Boxart überein?
Weil die Anleitung vereinfacht ist. Kevin nennt es ein „Dumb Down“ und vergleicht es mit Verpackungsschwindel: Auf dem Bild sieht man ein Ergebnis, das mit den angegebenen Farben so nicht entsteht. Sein Wunsch wäre, dass Games Workshop beides in die Anleitung druckt – einen schnellen Tabletop-Weg und den Weg zum Studio-Standard.
Wie macht Games Workshop die knochenfarbenen Deathwing-Rüstungen?
Grundlage ist Ushabti Bone, heruntergemischt mit etwas XV-88 ins Bräunliche, aufgetragen mit Glaze Medium als weiches Soft Shading. Kein Wash über die ganze Fläche.
Genau daran scheitern viele: Wer Roben mit Agrax Earthshade oder Seraphim Sepia wäscht, bekommt Ränder.
„Das Glaze Medium verhindert, dass die Brushstrokes diese Kaffeekränze bilden. Damit kriegst du keinen weichen Verlauf hin, wenn du immer die Pinselstriche siehst. Mit Glaze Medium wird die Farbe dehnbarer und so weich wie Butter.“Kevin Kotthaus, The_Lateman
Wie male ich saubere Edge Highlights?
Zwei Dinge entscheiden darüber: Pinselkontrolle und Konsistenz. Bei Edge Highlights arbeitet Kevin fast mit purer Farbe und streicht den Pinsel bewusst nicht aus. Sonst malt man zwei Millimeter und der Pinsel gibt auf.
Sein Bild dafür: Man soll „eher mit der Farbe malen als mit den Borsten“. Wenn genug Farbe auf dem Pinsel liegt, zieht sie sich selbst zu einer scharfen Linie.
Dazu kommt die Abstufung: zuerst ein breiteres, dunkleres Highlight, dann immer heller und immer dünner. Nachkorrigieren mit der Grundfarbe ist erlaubt, auch wenn es in der reinen Lehre verpönt ist.
Warum sehen Highlights aus manchen Blickwinkeln falsch aus?
Weil die meisten nur einmal schräg über die Kante ziehen. Dreht man das Modell, verschwindet der Glanz.
„Ich drehe das Modell in alle möglichen Richtungen, und ich will, dass das Highlight mehr oder weniger aus jeder Perspektive sichtbar ist.“Kevin Kotthaus, The_Lateman
Wo es gar keine Kante zum Entlangziehen gibt, etwa auf der Innenseite von Schulterpanzern, setzt er den Pinsel so an, dass die Spitze die innere Linie zieht und die Pinselseite gleichzeitig an der Rahmenkante entlangläuft. Ansonsten hilft nur Freihand und der richtige Winkel.
Brauche ich eine Airbrush für Display-Qualität?
Kevin nutzt die Airbrush nur für Grundierung, Basecoats und Varnish, nicht für Highlights. Er will die Kontrolle beim Pinsel behalten, und wer keine sehr gute, perfekt eingestellte Airbrush hat, sieht am Ende den Sprüheffekt.
Muss ich meine Miniaturen versiegeln?
Ja, und das ist kein Detail. Ohne Varnish reißt bereits Blu-Tack beim Transport Farbe ab – bei einem Dreadnought hat es ihm fünf Zentimeter Highlight mitgenommen. Versiegelt sind seine Figuren spiel- und anfassbar, und genau so behandelt er sie auch.
Wie fotografiere ich Miniaturen, damit man etwas erkennt?
Es braucht keine teure Ausrüstung. Eine gebrauchte Kamera für rund 100 bis 200 Euro reicht, ein aktuelles Smartphone geht auch. Wichtig sind sauberes Scharfstellen und eine lange Belichtungszeit.
Der eigentliche Gewinn kommt danach: Auf dem Foto sieht man Fehler, die man an der Figur in der Hand übersieht. Beide nutzen das als letzten Prüfschritt, bevor eine Figur fertig ist.
Was ein Gewinner über den Ablauf erzählt
Was passiert, wenn die Miniatur beim Transport beschädigt wird?
Sie wird nicht zugelassen. Genau das ist Kevin mit seinen Deathwing-Terminatoren passiert, in die er nach eigener Aussage deutlich mehr Arbeit gesteckt hatte als in den Landspeeder, der am Ende gewann. Transportschutz ist damit kein Nebenthema, sondern Teil der Vorbereitung.
Darf ich eine Miniatur zweimal einreichen?
„Du kannst Sachen auch noch mal einreichen, wenn es nicht zugelassen wurde. Wenn etwas zugelassen und bewertet wurde, kannst du es nicht noch mal einreichen.“Kevin Kotthaus, The_Lateman
Was ist die Open-Kategorie?
Dort landet alles, was nicht in die regulären Kategorien passt, darunter selbst modellierte Arbeiten. Auch Mitarbeiter von Games Workshop treten dort an, weil sie in den anderen Kategorien nicht teilnehmen dürfen. Das Feld ist entsprechend stark.
Kann ich mit einem alten Modell gewinnen?
Möglich ja, wahrscheinlich nein. Kevins Landspeeder verlor kurz nach dem Wettbewerb seine Regeln und wanderte zu Legends, auch die verwendete Ravenwing-Upgrade-Sprue gibt es nicht mehr. Seine Einschätzung: Bei den Events werden vor allem aktuelle Modelle ernst genommen.
Und wie fühlt es sich an?
Er hatte nach der Disqualifikation der Terminatoren mit gar nichts mehr gerechnet, bis ihn jemand ansprach, sein Landspeeder sei in der Finalauswahl. Die Zeremonie im großen Saal beschreibt er als Kindheitstraum.
„Denk mal zurück an den ersten Space Marine mit 13, 14 Jahren, den ich in die Ecke gekloppt hab. Und am Ende stehst du da und hältst einen Golden Demon in der Hand. Das hätte ich damals niemals für möglich gehalten.“Kevin Kotthaus, The_Lateman
Golden Demon 2026 in Essen: die offiziellen Teilnahme-Infos
Diese Angaben stammen nicht aus der Folge, sondern von der Veranstalterseite der SPIEL Essen, Stand September 2026. Prüfe die Details vor deiner Anmeldung noch einmal auf spiel-essen.de.
- Wann und wo: SPIEL Essen, 22. bis 25. Oktober 2026, Messe Essen
- Tickets: Du brauchst ein Besucher-Ticket und ein Golden-Demon-Ticket, der Kaufnachweis ist Voraussetzung für die Teilnahme
- Anmeldung: vorab über das Online-Formular auf der Golden-Demon-Seite, alternativ vor Ort am Schalter
- Abgabe: 22. bis 24. Oktober, letzte Möglichkeit ist Samstag, der 24. Oktober, um 12 Uhr
- Anwesenheit: Du musst persönlich zur Anmeldung und zur Preisverleihung da sein
- Kategorien: 14 Hauptkategorien plus zwei Sonderkategorien: Youngbloods für 12- bis 15-Jährige und die Open Competition, die nicht fürs Slayer Sword qualifiziert
- Abholung und Verleihung: Abholung am Sonntag ab 13 Uhr, Preisverleihung Sonntag von 16 bis 17 Uhr
Alle weiteren Termine des Jahres findest du im Guide zu Wettbewerben, Messen und Workshops in Europa.
Lohnt sich Mitmachen, wenn ich keine Chance auf einen Preis habe?
Kevins Antwort ist ein klares Ja. Er hat vier bis fünf Jahre für sich gemalt, bevor er überhaupt eingereicht hat, und sagt heute, er hätte auch früher anfangen können.
„Jeder kann da Sachen einreichen. Auch wenn man mal nichts gewinnt – allein das Dabeisein, mit den Leuten in Kontakt kommen, die ganzen Modelle sehen, die sind ja alle ausgestellt: Da kriegt man echt klasse Eindrücke.“Kevin Kotthaus, The_Lateman
Ist der ‚Eavy-Metal-Stil unkreativ?
Der Vorwurf begegnet ihm regelmäßig: Wer nach Studio-Rezept malt, mache nichts Eigenes. Kevin sieht es andersherum. Weil Pose und Anatomie schon feststehen, kann er sich vollständig auf die Ausführung konzentrieren, und das nimmt Druck raus.
Dazu kommt: Das Studio-Team ist kein Monolith. Manche arbeiten mit viel Battle Damage, andere komplett clean, manche mit Non-Metallic Metal, andere mit echten Metallfarben. Und seine eigene Leistung steckt ohnehin drin, etwa in den selbst modellierten Bases.
„Ich leite alles aus dieser ‚Eavy-Metal-Welt her. Ich kreiere da neue Rezepte oder male auch mal was ein bisschen anders. Da kommt schon noch genug eigene Suppe mit dazu.“Kevin Kotthaus, The_Lateman
Die ganze Folge hören
Das komplette Gespräch gibt es im Display Miniatures Talk als Folge #1, auf Spotify, Apple Podcasts und YouTube. Kevin findest du auf Instagram unter @the_lateman.
Häufige Fragen zum Golden Demon
Wie kann ich beim Golden Demon teilnehmen?
Du meldest dich vorab über das Formular auf der Golden-Demon-Seite an oder vor Ort am Schalter. Für den Golden Demon auf der SPIEL Essen 2026 brauchst du ein Besucher-Ticket und ein Golden-Demon-Ticket, die Abgabe endet am Samstag, 24. Oktober, um 12 Uhr. Du musst persönlich anwesend sein, auch bei der Preisverleihung.
Welche Kategorien gibt es beim Golden Demon?
Bei der Ausgabe auf der SPIEL Essen 2026 sind es 14 Hauptkategorien sowie zwei Sonderkategorien: Youngbloods für 12- bis 15-Jährige und die Open Competition. Die Open-Kategorie qualifiziert nicht für das Slayer Sword, dort treten unter anderem selbst modellierte Arbeiten und Einreichungen von Games-Workshop-Mitarbeitern an.
Was passiert, wenn meine Miniatur beschädigt ankommt?
Sie kann disqualifiziert und gar nicht erst zur Bewertung zugelassen werden. Genau das ist einem Teilnehmer dieser Folge passiert. Ein nicht zugelassenes Modell darf dafür später erneut eingereicht werden, ein bereits bewertetes nicht.
Kann ich mit einem alten oder Legends-Modell gewinnen?
Möglich ist es, üblich nicht. Bei den Events werden vor allem aktuelle Modelle ernst genommen. Ein Bronze-Gewinner der Folge trat mit einem Landspeeder an, der kurz darauf zu Legends wanderte, und bezeichnet das selbst als Ausnahme.
Woher bekomme ich die Originalrezepte von Games Workshop?
Von der Seite ‚Eavy Archive (eavy-archive.com), betrieben von Infernal Brush, der sieben Jahre im Design Studio von Games Workshop gearbeitet hat. Dort stehen Rezepte nach Spielsystem sortiert, inklusive Hauttöne und Erklärungen zu Begriffen wie Wash, Soft Shade und Chunky Highlight.
Warum sehen meine Washes wie Kaffeeränder aus?
Weil ein Wash auf großen Flächen Ränder zieht. Für weiche Übergänge auf Roben oder Rüstungen arbeitet das Studio mit einem passenden Shade wie XV-88 und mit Glaze Medium, das die Farbe dehnbar macht und Pinselstriche verhindert.
Wie bekomme ich saubere Edge Highlights hin?
Mit fast purer Farbe auf dem Pinsel, ohne ihn auszustreichen, und mit gleichbleibender Konsistenz. Erst ein breiteres dunkleres Highlight setzen, dann heller und dünner werden. Das Modell dabei drehen, damit das Highlight aus jeder Perspektive sichtbar bleibt.
Muss ich bemalte Miniaturen versiegeln?
Ja, besonders vor Transport zu einem Wettbewerb. Ohne Klarlack kann schon Blu-Tack Farbe und Highlights abreißen. Versiegelte Figuren sind deutlich robuster und können angefasst und gespielt werden.
Hast du dich jemals gefragt, wie man diesen extrem sauberen, fast schon übermenschlichen Look der Games Workshop Box-Arts hinbekommt? In der ersten Folge des Display Miniatures Podcasts hatte ich (Tamino) einen ganz besonderen Gast: Kevin (@the_lateman).
https://www.instagram.com/the_lateman/
Twitch
Kevin hat 2024 beim Golden Demon direkt mit seiner ersten Teilnahme den dritten Platz (Bronze) in der Kategorie «Vehicles» abgeräumt. Im Podcast teilt er seine Reise vom frustrierten 14-Jährigen zum preisgekrönten Painter und verrät, warum der «Eavy Metal Style» mehr als nur sauberes Malen ist.
Die größte Hürde: Das Rezept-Rätsel lösen
Jeder kennt es: Man dreht die Warhammer-Box um, sieht drei empfohlene Farben, kauft sie, malt… und es sieht absolut nicht aus wie auf der Packung. Kevin erklärt, warum das so ist: Das Team im Studio nutzt komplexe Mischverhältnisse und Techniken, die auf keiner Box stehen.
Der Gamechanger: Kevin empfiehlt die Seite Heavy Archive von Infernal Brush. Dort findest du Original-Rezepte von ehemaligen GW-Designern.
- Pro-Tipp aus dem Podcast: Für weiche Verläufe (z.B. bei Dark Angel Roben) ist Glaze Medium dein bester Freund. Es verhindert die typischen «Kaffeekränze» von Washes und macht die Farbe geschmeidig wie Butter.
Deep Knowledge: Edge Highlighting in 3D
Die meisten malen eine Kante einfach mit der Seite des Pinsels an. Kevin geht einen Schritt weiter. Er betrachtet Highlights dreidimensional.
- Das Problem: Wenn du nur eine Seite der Kante triffst, verschwindet das Highlight, sobald du die Miniatur drehst.
- Die Lösung: Das Modell in alle Richtungen drehen und die Kante so bemalen, dass das Licht aus jeder Perspektive eingefangen wird. Das erfordert extreme Brush Control und das Verständnis, wann man mit der Pinselspitze statt der Seite arbeiten muss.
«Es ist Spielzeug» – Die Philosophie hinter dem Malen
Trotz seines Golden-Demon-Erfolgs bleibt Kevin bodenständig. Sein Siegerprojekt, ein Land Speeder, wurde nach dem Wettbewerb wieder auf eine Spielbase gesetzt. Seine Einstellung: „Ich drücke die Mini jedem in die Hand. Sie ist gewarnt (lackiert), da passiert nichts.“
Für alle, die gerade erst anfangen oder kurz davor sind, den Pinsel in die Ecke zu schmeißen, hat Kevin eine klare Botschaft: Nie aufgeben. Jeder fängt mit einem «Wachsklumpen» an. Der Unterschied zwischen einem Anfänger und einem Profi ist oft nur die Hartnäckigkeit, den «inneren Monk» zu besiegen und auch mal drei Tage lang nur grüne Linien zu ziehen, bis sie perfekt sind.
Fazit: Fokus auf Technik und Leidenschaft
Egal ob du für die Vitrine malst oder deine Armee auf dem Tisch glänzen soll – der Eavy Metal Stil ist eine handwerkliche Disziplin. Wenn du die Rezepte verstehst und deine Konsistenz beherrschst (lieber mit fast purer Farbe und feuchtem Pinsel arbeiten statt mit wässrigen Suppen), ist der Weg zum Display-Standard geebnet.
Du willst mehr Insights?
Hör dir die ganze Folge an und erfahre mehr über Kevins Arbeit im Game-Studio, seine Zeit beim Startup und warum ein alter Hobby-Keller manchmal mehr wert ist als ein High-End-Studio.
Hier geht’s zum Video: Wie Du effektiv den Warhammer Eavy Metal Style nachmalst
