Kurz erklärt
- Display Painting heißt: eine Miniatur wird für die Vitrine bemalt. Sie wird aus der Nähe betrachtet, oft fotografiert und manchmal bei Wettbewerben gezeigt.
- Tabletop-Bemalung heißt: eine Armee wird für den Spieltisch bemalt. Sie wirkt aus ein bis zwei Metern Entfernung und muss angefasst werden können.
- Der Unterschied liegt nicht im Können, sondern im Ziel: Einzelstück gegen Stückzahl, Nähe gegen Distanz, Zeit gegen Tempo.
- Vermischen tut es sich ständig: bei Charaktermodellen, bei der Boxart-Optik von Games Workshop, bei Wettbewerben mit Spielfiguren und bei allen, die beides machen.
- Umsteigen kostet nichts: Dieselben Farben und Pinsel reichen, es ändert sich vor allem, wie viel Zeit du einer Figur gibst.
Was ist Display Painting?
Display Painting bedeutet, eine Miniatur so zu bemalen, dass sie aus nächster Nähe standhält. Das Ergebnis steht in einer Vitrine, auf einem Sockel, auf Fotos oder auf einem Wettbewerbstisch. Niemand schiebt diese Figur über ein Spielfeld.
Daraus folgt alles andere: Es gibt nur eine Figur statt vierzig, also darf sie Wochen dauern. Sie wird aus zwanzig Zentimetern betrachtet, also fällt jede harte Kante und jeder Pinselstrich auf. Und sie steht für sich, also muss sie ohne Spielkontext etwas erzählen – über die Pose, die Farbwahl und die Szene auf der Base.
Typisch sind größere Maßstäbe wie 54 oder 75 Millimeter und Büsten, weil mehr Fläche mehr Raum für Übergänge lässt. Nötig ist das nicht: Auch eine 32-Millimeter-Figur kann Display-Qualität haben.
Was ist Tabletop-Bemalung?
Beim Tabletop geht es um eine Armee. Zwanzig, vierzig, manchmal hundert Figuren sollen zusammen gut aussehen, während sie auf einem Tisch stehen und in die Hand genommen werden. Der Betrachtungsabstand liegt bei ein bis zwei Metern, nicht bei zwanzig Zentimetern.
Deshalb zählen hier andere Dinge: ein klares Farbschema, das sich wiederholen lässt, ein sauberer Kontrast, der auf Distanz wirkt, und ein Ablauf, den man vierzigmal durchhalten kann. Grundfarbe, Wash, Trockenbürsten, ein Highlight – fertig. Und die Figuren müssen versiegelt sein, weil sie angefasst werden.
Das ist keine schlechtere Malerei. Es ist eine andere Aufgabe. Wer eine ganze Armee in Vitrinenqualität malen will, wird nie fertig.
[FOTO-VERGLEICH]Display Painting und Tabletop im direkten Vergleich
| Display Painting | Tabletop | |
|---|---|---|
| Ziel | Eine Figur, die aus der Nähe überzeugt | Eine Armee, die zusammen wirkt |
| Stückzahl | Einzelstück | Dutzende bis Hunderte |
| Zeit pro Figur | Stunden bis Wochen | Minuten bis wenige Stunden |
| Betrachtungsabstand | 20 Zentimeter, plus Fotos und Makro | 1 bis 2 Meter |
| Techniken | Weiche Verläufe, Glazing, NMM, OSL, Freihand, Texturen | Basecoat, Wash, Drybrush, Kantenlichter, Contrast- oder Speedpaint-Farben |
| Base | Teil der Szene, oft selbst gebaut, dazu ein Sockel | Einheitlich, schnell, passend zum Spielfeld |
| Haltbarkeit | Steht meist geschützt | Muss Transport und Anfassen aushalten, Klarlack ist Pflicht |
| Womit man verglichen wird | Mit anderen Einzelstücken, oft von Profis | Mit dem, was sonst auf dem Tisch steht |
Wo sich beides vermischt
In der Praxis ist die Trennung längst nicht so sauber, wie sie klingt. Vier Beispiele, die dir dauernd begegnen:
1. Das Charaktermodell in der Armee
Fast jeder, der eine Armee bemalt, macht bei einer Figur eine Ausnahme: dem Anführer, dem Champion, dem großen Monster. Die bekommt dann doch weichere Übergänge, ein Freihand-Wappen oder eine aufwendigere Base. Das ist Display Painting mitten im Tabletop-Projekt.
2. Der Boxart-Stil
Der Stil, den Games Workshop auf den Packungsbildern zeigt, liegt genau dazwischen: saubere Kantenlichter, klare Farben, gut reproduzierbar, aber deutlich aufwendiger als eine Spielarmee. Viele malen jahrelang darauf hin. Wie dieser Stil entsteht und wo die Originalrezepte dafür stehen, erzählt ein Golden-Demon-Gewinner im Podcast.
3. Wettbewerbe mit Spielfiguren
Beim Golden Demon werden Modelle eingereicht, die es im Laden zu kaufen gibt und die man am Wochenende spielen könnte. Bewertet wird trotzdem nach Display-Maßstäben. Manche Gewinnerfiguren landen hinterher wieder auf dem Spieltisch.
4. Die Base als Brücke
Am schnellsten hebt man eine Figur durch ihre Base. Material aus Garten und Baumarkt kostet fast nichts, und der Unterschied ist sofort sichtbar – egal, ob die Figur gespielt wird oder in der Vitrine steht. Konkrete Beispiele dafür stehen im Basing-Guide.
Warum es für Display Painting eigene Hersteller gibt
Es gibt einen ganzen Markt an Figuren, die nie für ein Spiel gedacht waren: Büsten, 75-mm-Figuren, Szenen. Zu ihnen gehören keine Regeln, kein Punktwert und keine Armee. Sie werden verkauft, damit jemand sie bemalt und hinstellt.
Dahinter stehen meist kleine Studios mit ein oder zwei Leuten, oft von Bildhauern oder Malern gegründet, mit eigener Handschrift und kleinen Auflagen. Weil kein Spiel die Figur verkauft, übernimmt das die Boxart – deshalb lassen diese Hersteller ihre Stücke von bekannten Malern der Szene bemalen und fotografieren.
Der Maßstab entscheidet dabei weniger, als viele denken: Auch eine 32-mm-Figur kann als Einzelstück für die Vitrine gedacht sein. Wer wissen will, wo es solche Figuren gibt, findet im Überblick über Hersteller und Shops die Anbieter, bei denen ich selbst kaufe.
Brauche ich für Display Painting andere Farben und Werkzeuge?
Nein. Du brauchst keine andere Ausrüstung, sondern andere Gewohnheiten:
- Dünner auftragen, öfter. Die meisten Sprünge in der Qualität kommen daher, dass Farbe verdünnt und in mehreren Schichten aufgebaut wird.
- Übergänge statt Kanten. Glazes und Medien helfen dabei mehr als neue Farbtöne.
- Licht bewusst setzen. Eine Lichtquelle festlegen und die Figur konsequent danach malen.
- Fotografieren. Auf dem Foto siehst du Fehler, die dir in der Hand nie auffallen.
- Zeit geben. Der größte Unterschied ist nicht Talent, sondern die Bereitschaft, an einer Stelle noch einmal ranzugehen.
Was dagegen wirklich hilft, sind gute Beleuchtung, eine Nasspalette und ein Platz, an dem alles stehen bleiben darf.
Wie fange ich mit Display Painting an?
- Nimm eine Figur, die du magst. Nicht die teuerste, sondern eine, bei der du Lust hast, lange hinzuschauen.
- Plane das Farbschema vorher. Zwei, drei Hauptfarben, ein Akzent, eine Lichtrichtung.
- Bau die Base mit, nicht danach. Sie gehört zur Figur und entscheidet mit, wie das Ganze wirkt.
- Setz dir kein Zeitlimit. Wenn du eine Stelle dreimal machst, ist das der Sinn der Sache.
- Fotografiere zwischendurch. Das ist der billigste Lehrer, den du bekommen kannst.
- Zeig sie her. In der Community, auf einem Event oder bei einem Wettbewerb. Feedback bringt mehr als das nächste Tutorial.
Muss ich mich für eines von beidem entscheiden?
Nein, und die meisten tun es auch nicht. Es ist völlig normal, eine Armee zügig für den Spieltisch fertigzumachen und parallel an einer Büste zu sitzen, die ein halbes Jahr dauert. Beides trainiert unterschiedliche Dinge: Tempo und Routine auf der einen Seite, Geduld und Genauigkeit auf der anderen.
Ein Satz, den man sich merken kann: Beim Tabletop entscheidet der Gesamteindruck aus zwei Metern, beim Display Painting die eine Stelle, an der jemand genauer hinsieht.
Wenn du eine ganze Armee schnell auf ein ordentliches Niveau bringen willst, hilft dir der Beitrag Wie bemale ich am schnellsten meine Armee.
Die wichtigsten Begriffe
- NMM (Non-Metallic Metal): Metall wird mit normalen Farben gemalt, Glanz und Spiegelung entstehen durch harte Kontraste statt durch Metallpigmente.
- TMM (True Metallic Metal): Metallfarben mit echten Pigmenten, dafür sauber abgestuft und mit Kantenlichtern gearbeitet.
- OSL (Object Source Lighting): Eine Lichtquelle in der Szene, etwa eine Laterne oder ein Feuer, färbt die Umgebung ein.
- Glazing: Sehr dünne, lasierende Farbschichten, um Übergänge weich zu machen oder Töne zu verschieben.
- Wet Blending: Zwei Farben werden nass ineinander gemalt, sodass der Übergang direkt auf der Figur entsteht.
- Wash und Shade: Dünne, dunkle Farbe, die in die Vertiefungen läuft und Schatten setzt.
- Drybrush: Fast trockener Pinsel über erhabene Stellen, betont Struktur, ideal für Fell, Stein und Metallkanten.
- Zenithal: Grundierung von oben mit Hell auf Dunkel, um Licht und Schatten vorzuzeichnen.
- Contrast- oder Speedpaint-Farben: Stark eingefärbte Lasuren, die in einem Auftrag Schatten und Fläche setzen.
- Batch Painting: Immer derselbe Arbeitsschritt an vielen Figuren nacheinander.
- Plinth: Der Sockel, auf dem eine Display-Figur präsentiert wird, meist aus Holz oder Stein.
Und was mache ich hier?
Ich bin Tamino aus Hannover und erkläre Display Painting auf Deutsch – als jemand, der selbst dabei ist, es zu lernen. Im Display Miniatures Talk frage ich Leute aus der Szene genau die Dinge, die ich selbst wissen will, und im Blog schreibe ich auf, was dabei herauskommt. Wenn du es lieber direkt ausprobieren willst, gibt es in Hannover Workshops und Einzel-Coaching.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Display Painting und Tabletop-Bemalung?
Display Painting zielt auf eine einzelne Figur, die aus nächster Nähe betrachtet wird und in der Vitrine steht. Tabletop-Bemalung zielt auf eine ganze Armee, die aus ein bis zwei Metern Entfernung wirkt und angefasst wird. Der Unterschied liegt im Ziel und im Zeitbudget, nicht im Können.
Ist Display Painting schwieriger als Tabletop?
Es ist vor allem langsamer und genauer. Techniken wie weiche Verläufe, NMM oder OSL brauchen Übung, aber Tabletop-Bemalung stellt andere Anforderungen: ein Schema durchzuhalten, das vierzigmal funktioniert, und dabei nicht die Lust zu verlieren.
Brauche ich für Display Painting andere Farben oder Pinsel?
Nein. Dieselben Farben und ein paar gute Pinsel reichen. Was sich ändert, ist die Arbeitsweise: dünner auftragen, in mehreren Schichten arbeiten, Licht bewusst setzen und der Figur mehr Zeit geben. Hilfreich sind gute Beleuchtung, eine Nasspalette und ein fester Arbeitsplatz.
Welcher Maßstab eignet sich für Display Painting?
Häufig sind 54 und 75 Millimeter sowie Büsten, weil größere Flächen weichere Übergänge erlauben. Zwingend ist das nicht: Auch eine 32-Millimeter-Spielfigur lässt sich in Display-Qualität bemalen.
Kann ich eine Wettbewerbsfigur danach noch spielen?
Ja, wenn sie versiegelt ist. Klarlack schützt Kanten und Highlights, ohne den Lack reißt bereits Klebeknete Farbe ab. Manche Gewinnerfiguren stehen anschließend wieder auf dem Spieltisch.
Wie fange ich mit Display Painting an?
Such dir eine Figur aus, die dir gefällt, leg vorher ein Farbschema und eine Lichtrichtung fest, baue die Base von Anfang an mit und gib dir kein Zeitlimit. Fotografiere zwischendurch, denn auf dem Foto siehst du Fehler, die dir in der Hand entgehen.
Muss ich mich zwischen Tabletop und Display Painting entscheiden?
Nein. Viele machen beides parallel: die Armee zügig für den Spieltisch, dazu ein Einzelprojekt für die Vitrine. Beides trainiert unterschiedliche Fähigkeiten, Tempo auf der einen und Genauigkeit auf der anderen Seite.
